Alpenüberquerung 2026: Garmisch – Torbole, 488km, 14114Hm

Über Ochsenscharte, Umbrailpass, Gavia und Montozzo bis an den Gardasee mit vielen unvergesslichen Momenten

Streckenübersicht:

  • Tag 1 Garmisch → Ladis (95 km, 2100 Hm) | ➡️ Tag 1 .gpx-Datei                     Der Einstieg führte von Garmisch über Biberwier und den Fernpass weiter Richtung Bernbichl, Wenns und Kaunergrat bis nach Prutz und schließlich nach Ladis. Eine lange erste Etappe mit vielen Übergängen und einem deutlichen Höhenmeterpaket zum Auftakt
  • Tag 2 Ladis→ Bodenalpe (49km, 2265Hm) |  ➡️ Tag 2 .gpx-Datei                    Die zweite Etappe war deutlich kürzer, aber höhenmeterlastig: Von Ladis ging es über Fiss hinauf Richtung Hexensee, weiter zur Ochsenscharte, zur Stieralphütte und über die Gondel Samnaun bzw. das Äußere Viderjoch bis zur Bodenalpe
  • Tag 3 Bodenalpe→ Taufers (74km, 2265Hm) |  ➡️ Tag 3 .gpx-Datei                   Von der Bodenalpe führte die Route über den Fimbapass nach Ramosch, weiter über Scuol und den Pass da Costaina bis nach Taufers. Eine lange und abwechslungsreiche Etappe mit alpinem Übergang, Schweizer Abschnitten und dem Ziel im Vinschgau/Münstertal
  • Tag 4 Taufers→ Grosio (79km, 1662Hm) |  ➡️ Tag 4 .gpx-Datei                   Diese Etappe verlief von Taufers über das Tal Mero, weiter zum Lago Giacomo und den Passo di Verva bis nach Grosio. Der Tag markierte den Übergang tiefer nach Italien hinein und verband lange Passagen über bekannte alpine Übergänge mit dem Ziel im Veltlin.
  • Tag 7 Madonna di Campiglio→ Torbole (70km, 1450Hm)➡️ Tag 7 .gpx-Datei             Die finale Etappe führte von Madonna di Campiglio über den Passo Grostè bzw. Passo Gotro, weiter nach Ponte Arche, zum Rifugio Calino und schließlich hinunter nach Torbole. Damit endete die Transalp am Gardasee – mit dem klassischen Abschluss in Torbole.
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Wichtiger Hinweis (bitte unbedingt lesen):

Ich kann keine Garantie geben, dass die Routen heute noch 1:1 genauso fahrbar sind. In den Alpen können sich Wege jederzeit ändern – zum Beispiel durch Baustellen, Sperrungen oder Naturereignisse (z. B. Erdrutsch). Ebenso kann ich nicht garantieren, dass eine Route für jede Person machbar ist – das hängt immer von Fitness, Tagesform und fahrtechnischer Erfahrung ab. Die Verantwortung für Planung, Einschätzung und Durchführung deiner Tour liegt daher vollständig bei dir. Eine exakte Angabe der Höhenmeter ist leider nicht möglich. Jedes Tool (Garmin, Komoot, Relive…) verwenden unterschiedliche Höhenquellen, Glättungs- und Rechenalgorithmen. Aus diesen Grund unterscheiden sich die Höhendaten um wenige Prozent. 

In der Karte erlebst du die gesamte Alpenüberquerung, ergänzt durch zahlreiche Bilder der schönsten Highlights:

Einschätzung gesamthafte Transalp:

Kondition:

Fahrtechnik:

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Erster Tag: Garmsich – Ladis|| 95km, 2100Hm

2026_Tag1_Garmisch – Ladis

Endlich war es so weit: Die Alpenüberquerung konnte beginnen. Das Auto parkte ich am Eisstadion in Garmisch-Partenkirchen, montierte den Vorderradreifen, schnallte den Rucksack aufs Bike und startete gegen halb neun in Richtung Ehrwald.

Der Radweg verläuft größtenteils parallel zur Hauptstraße und steigt angenehm an, sodass man schnell seinen Rhythmus findet. Nach gut einer Stunde erreichte ich bereits Ehrwald. In Biberwier nutzte ich die Gelegenheit, mich im Supermarkt noch einmal mit Getränken zu versorgen, bevor der erste längere Anstieg des Tages auf dem Programm stand.

In zahlreichen Serpentinen schlängelte sich die Strecke hinauf zum Fernpass auf rund 1.300 Metern Höhe. Ein spektakuläres Gipfelpanorama erwartet einen dort zwar nicht, dafür macht die anschließende Abfahrt umso mehr Spaß. Auf einem flowigen Trail verliert man zügig viele Höhenmeter, bevor die letzten Kilometer bis Imst noch einmal etwas zäh werden.

Von Imst aus führte die Route weiter hinein ins Pitztal. Über Arzl und Wenns arbeitet man sich stetig bergauf. Zwar werden die Steigungen zwischenzeitlich etwas knackiger, doch die beeindruckende Bergkulisse sorgt immer wieder dafür, dass man den Blick schweifen lässt und die Anstrengung kurz vergisst. In Wenns füllte ich meine Flaschen noch einmal am Brunnen auf und nutzte die Gelegenheit für eine kleine Abkühlung.

Der nächste Höhepunkt des Tages war der Kaunergrat. Mit jedem Höhenmeter öffnet sich der Blick weiter über die umliegenden Täler und Gipfel. Auf etwa 1.570 Metern Höhe war der höchste Punkt schließlich erreicht. Hier befindet sich auch ein Restaurant mit einer wunderschönen Sonnenterrasse. Der Gedanke an einen Espresso war verlockend, doch die verbleibenden Kilometer hielten mich davon ab, eine längere Pause einzulegen.

Die anschließende Abfahrt nach Prutz führt rasant bergab und macht richtig Laune. Unten angekommen füllte ich noch einmal meine Trinkflaschen auf, bevor die letzten Kilometer nach Ladis anstanden. Beim Blick auf das Höhenprofil hatte ich bereits eine Vorahnung, dass der Schlussanstieg kein Geschenk werden würde.

Zunächst folgte ich der geplanten Route, doch schon bald verlor sich der Weg zwischen Bäumen und dichtem Gestrüpp. Ein Weiterkommen war unmöglich, und so musste ich rund 130 Höhenmeter wieder zurückfahren. Um keine weitere Zeit zu verlieren, entschied ich mich für die sichere Variante und nahm die Hauptstraße nach Ladis. Die letzten 300 Höhenmeter hatten es noch einmal in sich, doch schließlich erreichte ich nach 95 Kilometern und rund 2.100 Höhenmetern mein Tagesziel.

Erholung im Hotel Goies

Nach diesem langen Tag hätte ich mir kaum eine bessere Unterkunft wünschen können als das Hotel Goies in Ladis.Bereits beim Check-in wird man mit einem Begrüßungsgetränk empfangen und fühlt sich sofort willkommen. Für das Fahrrad stehen sichere Abstellmöglichkeiten in der Tiefgarage oder im Skiraum zur Verfügung. Mein Zimmer war geräumig, äußerst sauber und vor allem eines: ein Ort, an dem ich mich sofort wohlgefühlt habe. Besonders praktisch war die bereits vorbereitete Badetasche mit Handtüchern und Bademantel. Auf Einweg-Slipper verzichtet das Hotel bewusst zugunsten der Nachhaltigkeit. Wer dennoch welche benötigt, kann diese kostenlos an der Rezeption erhalten.Auch der Wellnessbereich lässt kaum Wünsche offen. Auf dem Dach befindet sich ein Infinity-Pool mit herrlichem Ausblick sowie ein großzügiger Saunabereich inklusive Kneippbecken. Im Untergeschoss sorgen ein weiterer Innenpool und zahlreiche Ruheliegen für perfekte Entspannung nach einem anstrengenden Tag im Sattel.Kulinarisch überzeugte das Hotel ebenfalls auf ganzer Linie. Die Nachmittagsjause bot die ideale Stärkung nach der Etappe, und auch das Abendessen ließ keine Wünsche offen. Vegetarier finden stets passende Alternativen auf der Speisekarte. Am Morgen sorgt ein umfangreiches Frühstücksbuffet für die nötige Energie für den nächsten Tag.

Mein Fazit: Das Hotel Goies ist nicht nur eine hervorragende Unterkunft für Transalp-Fahrer, sondern auch eine klare Empfehlung für einen klassischen Wellness- oder Aktivurlaub. Wer in Ladis übernachtet, macht hier definitiv nichts falsch.

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Zweiter Tag: Ladis – Bodenalpe || 49km, 2265Hm

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Als ich morgens gegen 8:15 Uhr vor dem Hotel stand, hingen die Wolken noch tief zwischen den Gipfeln. Die Temperaturen lagen bei etwa 13 Grad und erinnerten eher an einen frischen Herbstmorgen als an eine Alpenüberquerung im Sommer. Doch schon nach wenigen Minuten auf dem Rad war klar, dass die Jacke nicht lange benötigt werden würde.

Die ersten 400 Höhenmeter hinauf zur Heidelberger Hütte verlaufen über eine gut ausgebaute Forststraße und lassen sich angenehm treten. Die Steigung ist moderat, sodass man schnell auf Betriebstemperatur kommt. An der Hütte bietet sich schließlich noch einmal die Gelegenheit, die Trinkflaschen aufzufüllen, bevor der anspruchsvollere Teil der Etappe beginnt. Ab hier führt die Route hinauf zum Fimbapass. Fahren ist auf diesem Abschnitt allerdings kaum möglich. Rund 350 Höhenmeter müssen geschoben werden. Glücklicherweise ist der Wanderweg stellenweise stufenartig angelegt, sodass das Vorderrad relativ problemlos über die Hindernisse hinwegrollt und man gut vorankommt. Zwar gibt es immer wieder einige schwierigere Passagen, doch man befindet sich schließlich mitten im Hochgebirge. Dazu begleitet einen ein beeindruckendes Panorama, das jeden zusätzlichen Schritt recht schnell vergessen lässt.

Nach etwa einer Stunde erreichte ich den Fimbapass. Dort oben pfiff ein eisiger Wind über den Grat. Also schnell die Windjacke überziehen, das obligatorische Passfoto machen und den Ausblick genießen. Lange hielt ich mich allerdings nicht auf, denn die Abfahrt wartete bereits.Zunächst musste das Rad jedoch noch einige Male geschoben werden. Manche Passagen waren aus meiner Sicht schlicht nicht fahrbar und ich wollte an diesem abgelegenen Ort kein unnötiges Risiko eingehen. Schon bald wurde das Gelände jedoch einfacher und der Trail deutlich flüssiger. Die Strecke führte weiter hinunter in ein weitläufiges Hochtal, ehe der Trail schließlich in eine Forststraße überging. Nun konnte man endlich rollen lassen und schnell Strecke machen.

An einer unscheinbaren Abzweigung zweigt die Route nach rechts auf einen technisch anspruchsvolleren Trail ab, der hinunter in Richtung Talboden führt. Dort angekommen wartete eine kleine Überraschung: Direkt am Bach thront ein beeindruckendes Schloss, das inmitten der Berglandschaft fast surreal wirkt.Mittlerweile hatte sich das Wetter vollständig gewandelt. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken und innerhalb kürzester Zeit wurde es deutlich wärmer. Die Jacke verschwand wieder im Rucksack, und die Fahrt führte weiter durch mehrere idyllische Engadiner Dörfer in Richtung Scuol.In Scuol nutzte ich die Gelegenheit für einen letzten Einkauf. Schließlich warteten noch einmal rund 1.000 Höhenmeter auf dem Weg zum Pass da Costainas. Zunächst windet sich die Straße in zahlreichen Serpentinen bergauf. Mit jedem Höhenmeter öffnet sich ein beeindruckendes Tal, dessen karge Hänge stellenweise fast an eine Mondlandschaft erinnern. Trotz der rauen Erscheinung besitzt diese Gegend einen ganz besonderen Reiz.

Je höher man kommt, desto flacher wird die Strecke. Bis nach S-charl zieht sich die Auffahrt zwar etwas, bleibt aber angenehm fahrbar. Zudem bieten sich unterwegs immer wieder Möglichkeiten, Trinkflaschen an Brunnen aufzufüllen. Wer eine längere Pause einlegen möchte, findet in S-charl außerdem mehrere gemütliche Einkehrmöglichkeiten.Hinter dem kleinen Bergdorf verändert sich die Landschaft erneut. Der Weg wird schmaler, ruhiger und wirkt nahezu unberührt. Die letzten Kilometer hinauf zum Pass da Costainas zählen sicherlich zu den landschaftlichen Höhepunkten dieser Alpenüberquerung. Umgeben von weiten Almflächen, schroffen Gipfeln und einer beeindruckenden Ruhe gewinnt man Höhenmeter um Höhenmeter, bis schließlich auf 2.248 Metern der Pass erreicht ist.Die anschließende Abfahrt ist ein echtes Vergnügen. Rasant geht es talwärts, während die klassische Albrecht-Route später rechts in Richtung Tschierv abzweigt. Ursprünglich war dies auch mein geplanter Weg. Da ich jedoch am nächsten Tag den Umbrailpass in Angriff nehmen wollte und die Unterkünfte auf italienischer Seite etwas günstiger waren, entschied ich mich spontan, bis nach Taufers im Münstertal weiterzufahren.

Nach insgesamt 74 Kilometern und 2.026 Höhenmetern erreichte ich schließlich mein Tagesziel. Das familiengeführte Hotel Chavalatsch erwies sich als hervorragende Wahl. Die herzliche Atmosphäre sorgte sofort für Wohlfühlstimmung, und auch das Abendessen war genau das Richtige nach einem langen Tag im Sattel. Während draußen langsam die Abendsonne hinter den Bergen verschwand, konnte ich bereits gespannt auf die nächste Etappe blicken – den Anstieg zum legendären Umbrailpass.

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Dritter Tag: Bodenalpe – Taufers || 74km, 1662Hm

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Postkarten-Idylle und steile Rampen

Der dritte Tag startete mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Die Landschaft war ein Traum, aber das viele Schieben und Tragen der Vortage hatte Spuren hinterlassen – meine Fersen schmerzten bei jedem Tritt.

Früh morgens ging es zum Pragser Wildsee. Die Auffahrt ist gut fahrbar und der See selbst… nun ja, außergewöhnlich! Trotz der Touristenströme ist das tiefblaue Wasser vor der Kulisse der Dolomiten jede Kurbelumdrehung wert. Nach einer kurzen Abfahrt wartete der nächste 1.000-Hm-Brocken: Die Auffahrt zur Plätzwiese. Über die Straße ließen sich die Höhenmeter überraschend flüssig wegdrücken. Oben angekommen, fühlte ich mich wie in einer Filmkulisse: saftig grüne Wiesen vor den schroffen Felswänden.

 

 

Ab der Dürensteinhütte wurde es sportlich: 300 Höhenmeter Trail-Uphill zum Strudelkopf. Mit viel Biss konnte ich etwa 90 % davon im Sattel bewältigen. Die Belohnung am Gipfelkreuz? Der wohl spektakulärste Blick auf die Drei Zinnen, den man sich vorstellen kann!

Da dunkle Gewitterwolken aufzogen, suchte ich schnell das Weite Richtung Cortina. Nach einem kurzen Boxenstopp (Trinkflaschen-Refill an einem Restaurant) wartete der Endgegner des Tages: der Pass Son Forcia. Die letzten 600 Hm waren pure Qual. Steigungen von 16 % bis hin zu brutalen 25 % zwangen mich oft in den Schiebemodus – Gift für meine Fersen. Die rasante Abfahrt ins Tal entschädigte etwas, auch wenn Cortina d’Ampezzo aktuell einer riesigen Baustelle für die Olympischen Spiele 2026 gleicht. Mit Pizza auf dem Hotelzimmer ließ ich den Tag ausklingen, merkte aber deutlich: Die Kraftreserven waren am Limit. Doch der Tag war einer der schönsten, die ich bei einer Alpenüberquerung hatte.

Hotel Pontechiesa; sehr schönes Wellnessbereich mit fantastischen Blick auf die Berge

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Vierter Tag: Taufers – Grosio|| 79km, 1662Hm

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Nach einer unruhigen Nacht stellte sich beim Frühstück die entscheidende Frage: Würde ich die ursprünglich geplante Königsetappe mit rund 2.500 Höhenmetern und mehreren Schiebepassagen überhaupt schaffen? Die Beine fühlten sich schwer an und die Motivation hielt sich zunächst in Grenzen. Also beschloss ich, erst einmal loszurollen und unterwegs zu entscheiden. Über die Hauptstraße ging es zunächst in Richtung Umbrailpass. Schon nach den ersten Kilometern merkte ich, dass heute nicht mein stärkster Tag werden würde. Jede Pedalumdrehung fühlte sich ungewöhnlich zäh an und die Energie schien nicht so recht vorhanden zu sein.

Schließlich entschied ich mich, erneut über das Val Mora zu den Stauseen zu fahren und damit die etwas einfachere Variante zu wählen. Die ersten Höhenmeter haben es allerdings ebenfalls in sich. Der Forstweg steigt stellenweise recht steil an, ist jedoch in hervorragendem Zustand und lässt sich gut fahren. Auf dem Weg nach oben begegnet man immer wieder anderen Radfahrern, die genauso mit dem Anstieg kämpfen. Ein kurzer Austausch, ein motivierendes Wort und schon fällt das Weiterfahren wieder etwas leichter.

Ab etwa 2.100 Metern Höhe wird die Strecke deutlich flacher. Plötzlich öffnet sich das breite Val Mora mit seinen mächtigen Dreitausendern und der bisherige Kampf tritt für einen Moment in den Hintergrund. Trotz des kalten Gegenwinds konnte ich die Landschaft in vollen Zügen genießen. Der Trail wird von Minute zu Minute schöner und führt durch eine nahezu unberührte Bergwelt. Am Lago di San Giacomo legte ich eine längere Pause ein. Die Ruhe am See und die umliegenden Berge machten diesen Ort zu einem der Highlights des Tages. In der Ferne konnte ich den Trail erkennen, der vom Umbrailpass herüberführt. Ehrlicherweise war ich in diesem Moment ganz froh, die weniger anspruchsvolle Route gewählt zu haben. Entlang der Stauseen und nach einer kurzen Abfahrt in Richtung Bormio zweigt die Strecke schließlich rechts in das Val Viola Bormina ab. Über viele Kilometer hält man hier ungefähr die Höhe von 1.900 Metern. Ständiger Begleiter ist dabei der mächtige Cima de Piazzi mit seinem kleinen Gletscher auf 3.439 Metern Höhe. Die Landschaft wirkt beeindruckend und vermittelt ein Gefühl von Weite, das man nur in den Alpen erleben kann.

Erst weit hinten im Tal wechselt die Route auf die gegenüberliegende Seite und steigt anschließend steil ins Val Verva an. Auf dem Papier wirken die rund 400 Höhenmeter bis zum Passo di Verva zunächst harmlos. Nach den bereits absolvierten Kilometern fühlte sich dieser Schlussanstieg jedoch wie eine echte Herausforderung an. Selten war es so schwer, die notwendigen Höhenmeter zu sammeln. Immer wieder legte ich kurze Pausen ein, um durchzuatmen und die Aussicht zu genießen. Irgendwann war auch der letzte Anstieg geschafft und der Passo di Verva erreicht. Sofort richtete sich der Blick auf die bevorstehende Abfahrt nach Grosio. Rund 1.600 Tiefenmeter auf knapp 20 Kilometern versprachen Fahrspaß pur. Zunächst führt die Strecke auf einer Forststraße bergab, später geht sie in eine asphaltierte Straße über. Kilometer um Kilometer verliert man an Höhe und sammelt dabei ordentlich Geschwindigkeit. Die Bremsen leisten Schwerstarbeit, denn manche Kurven verlangen volle Konzentration. Mit jedem Meter Richtung Tal steigen die Temperaturen spürbar an. Nach den kühlen Höhenlagen freute ich mich nun vor allem auf zwei Dinge: eine warme Dusche und eine große Portion Pasta.

Am Nachmittag erreichte ich schließlich Grosio und durfte im Hotel Sassella übernachten. Die Unterkunft erwies sich als echter Glücksgriff. Die Zimmer waren großzügig geschnitten, sehr sauber und boten genau den Komfort, den man nach einem langen Tag im Sattel benötigt. Völlig erschöpft ließ ich mich zunächst ins Bett fallen, bevor ich den Wellnessbereich für die dringend benötigte Regeneration meiner müden Muskeln nutzte. Leider hatte das hoteleigene Restaurant an diesem Abend geschlossen. Zu gerne hätte ich mich durch die Speisekarte probiert. Das äußerst freundliche Personal empfahl uns jedoch eine nahegelegene Pizzeria – und wir wurden nicht enttäuscht. Die Pizza war hervorragend und bildete den perfekten Abschluss eines anstrengenden Tages. Auch das Frühstück am nächsten Morgen ließ keine Wünsche offen. Frische Brötchen, eine große Auswahl an Wurst, Käse und Aufstrichen sowie alles, was man für einen erfolgreichen Radtag benötigt, standen bereit.

Fazit: Das Hotel Sassella ist für Transalp-Fahrer nahezu ideal gelegen. Die herzliche Gastfreundschaft, die sauberen und komfortablen Zimmer sowie der Wellnessbereich machen die Unterkunft zu einer echten Empfehlung. Wer im Raum Grosio eine Übernachtungsmöglichkeit sucht, wird hier bestens aufgehoben sein.

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Fünfter Tag: Grosio – Ponte di Legno || 53km, 2200Hm

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Dank des frühen Frühstücks ab 7 Uhr konnte der Tag zeitig beginnen. Das kam mir sehr gelegen, denn obwohl auf dem Papier „nur“ 55 Kilometer auf dem Programm standen, warteten dennoch rund 2.200 Höhenmeter sowie eine Schiebepassage auf mich. Genug Arbeit also für einen weiteren langen Tag in den Bergen.

Die ersten Kilometer führten auf dem hervorragend ausgebauten Radweg in Richtung Frontale. Perfekt, um die Beine langsam in Schwung zu bringen und das ausgiebige Frühstück zu verdauen. In Sondalo nutzte ich noch einmal die Gelegenheit für einen Einkauf. Einige Energieriegel wanderten in den Rucksack und zusätzlich füllte ich meinen Wasservorrat auf. Nach meinen Recherchen war ich mir nicht sicher, wie viele Möglichkeiten zum Nachfüllen unterwegs vorhanden sein würden – und in den Bergen ist man lieber etwas zu vorsichtig als zu sorglos.

Ab Frontale begann schließlich der eigentliche Anstieg. In zwölf engen Kehren schraubt sich die Straße den Berg hinauf und die ersten 800 Höhenmeter sind überraschend schnell gesammelt. Die Asphaltstraße endet jedoch irgendwann und macht einem Forstweg Platz. Dieser besteht teilweise aus groben Steinplatten und fordert deutlich mehr Konzentration. Mein Navi zeigte immer wieder Steigungen von über 20 Prozent an. In solchen Momenten merkt man die Belastung der vergangenen Tage ganz deutlich. Zum Glück gibt es unterwegs ausreichend Wasserstellen. Gerade bei längeren Anstiegen ist das Gold wert. Bis etwa 2.000 Meter Höhe wechseln sich immer wieder steile Rampen mit etwas flacheren Abschnitten ab. Erst dann öffnet sich die Landschaft und eine weitläufige Hochebene kommt zum Vorschein. Die Strecke wird angenehmer zu fahren und man glaubt kurz, das Schwerste bereits geschafft zu haben. Doch ein Blick in die Ferne verrät schnell, dass noch weitere Serpentinen auf die nächste Hochebene hinaufführen. Mit jeder Kehre eröffnet sich ein neuer Blick ins Tal und auf die umliegenden Gipfel. Eigentlich möchte man nach jeder Kurve erneut anhalten und ein Foto machen. Die Bergwelt wirkt beeindruckend und man fühlt sich von den zahlreichen nahezu 3.000 Meter hohen Gipfeln regelrecht umgeben.

Ab Saleit verändert sich die Strecke erneut. Der Forstweg geht in einen Wanderweg über und an Fahren ist nur noch selten zu denken. Die gute Nachricht: Die Steigung ist angenehm zum Schieben. Schritt für Schritt arbeitet man sich dem Passo Alpe entgegen und fragt sich immer wieder, ob die Passhöhe nicht endlich hinter der nächsten Kurve liegen müsste. Irgendwann ist es dann tatsächlich geschafft. Das obligatorische Gipfelfoto gehört natürlich dazu, und der Blick in die Ferne sorgt sofort für neue Motivation. Hier oben wirkt die Welt plötzlich ganz ruhig und weit. Als Belohnung wartet ein herrlich flowiger Trail. Leider vergeht dieser Abschnitt viel zu schnell. Ehe man sich versieht, endet der Trail auf der Straße zum Gaviapass. Die Windjacke kann jetzt wieder im Rucksack verschwinden, denn weitere 350 Höhenmeter warten noch auf mich. Immerhin führt die Auffahrt über perfekten Asphalt und bietet ein Panorama, das jeden zusätzlichen Höhenmeter rechtfertigt.

Zur linken Seite begleitet einen ständig der mächtige Dosegù-Gletscher, während immer wieder Motorradfahrer die Passstraße hinauf- und hinunterfahren. Je näher man dem Gaviapass kommt, desto flacher wird die Straße. Fast muss man aufpassen, das Passschild nicht zu übersehen. Am Rifugio Bonetta stellte ich mein Fahrrad kurz ab und lief die wenigen Meter zum Aussichtspunkt hinauf. Eine Entscheidung, die ich jedem nur empfehlen kann. Der Ausblick ist schlichtweg spektakulär. Ein 360-Grad-Panorama mit unzähligen Gipfeln, Gletschern und Bergseen – einer jener Momente, die man lange in Erinnerung behält. Auf rund 2.600 Metern Höhe zeigte sich der Wind allerdings von seiner kalten Seite. Also hieß es wieder warm anziehen, bevor die lange Abfahrt begann. Rund 1.400 Tiefenmeter lagen vor mir.

Auf der teilweise schmalen Passstraße geht es rasant bergab Richtung Ponte di Legno. Ein besonderes Highlight ist der neue Radweg, der elegant an einem Tunnel vorbeiführt und deutlich mehr Fahrspaß bietet als die Straße selbst. Mit jedem verlorenen Höhenmeter steigen die Temperaturen spürbar an. Gleichzeitig nimmt jedoch auch der Verkehr zu. Gerade in den unübersichtlichen Kurven ist deshalb erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Auf etwa 1.700 Metern Höhe verließ ich schließlich die Straße und nahm den Trail hinunter nach Pezzo. Eigentlich wäre dies ein perfekter Ort für eine Übernachtung gewesen. Leider gibt es dort nur wenige Unterkünfte, die oft lange im Voraus ausgebucht sind.Die letzten Kilometer nach Ponte di Legno vergingen dann wie im Flug. Dort angekommen erwartete mich mit dem Hotel Blu genau die Erholung, die ich nach diesem langen Tag brauchte. Ein komfortables Zimmer, eine warme Dusche und die Vorfreude auf die nächste Etappe rundeten einen weiteren unvergesslichen Tag meiner Alpenüberquerung ab.

Fazit: Die Etappe zum Passo Alpe und über den Gaviapass kombiniert alles, was eine Transalp ausmacht: lange Anstiege, kurze Schiebepassagen, spektakuläre Ausblicke und eine rasante Schlussabfahrt. Besonders die Aussicht am Gaviapass und die abwechslungsreiche Streckenführung machen diesen Tag zu einem der landschaftlichen Höhepunkte der gesamten Tour.

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Sechster Tag: Ponte di Legno – Madonna di Campiglio || 66km, 2411Hm

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Mit dem Wissen, dass zusätzlich noch rund 300 Höhenmeter nach Pezzo auf mich warteten, ging es bereits gegen 08:15 Uhr los. Die ersten Kilometer auf der Hauptstraße waren ideal, um die Beine warmzufahren. Nach Pezzo rollt man relativ schnell hinauf, ohne dass es gleich zu Beginn richtig weh tut. Genau richtig also, um langsam in diesen langen und schweren Tag hineinzufinden.

Weiter ging es mit angenehmer Steigung Richtung Case di Viso. Schon von Weitem sieht man das malerische Bergdorf vor sich liegen – und dahinter bereits die Serpentinen, die sich langsam Richtung Montozzo-Scharte nach oben ziehen. Direkt am Anfang des Dorfes gibt es noch einmal die Möglichkeit, die Flaschen aufzufüllen. Diese Gelegenheit muss man unbedingt nutzen, denn bis zur Hütte wartet keine zuverlässige Wasserstelle mehr. Gerade an so einem Tag kann genau das später entscheidend sein.

Kurz nach Case di Viso beginnt der eigentliche Ernst des Tages. Zunächst zieht sich der Weg noch auf einem relativ guten Forstweg nach oben. Doch mit jedem Höhenmeter wird die Steigung giftiger, der Untergrund gröber und das Treten mühsamer. Immer wieder musste ich kurz rausnehmen und durchatmen. Aber wie so oft bei einer Alpenüberquerung wird man für jede kleine Pause sofort belohnt: Das Panorama zurück ins Tal ist einfach gewaltig.

Etwa 200 Höhenmeter unterhalb der Botti al Montozzo wurde der Weg wieder etwas besser. Bei meiner ersten Alpenüberquerung im Jahr 2021 hatte ich diesen Abschnitt deutlich ruppiger in Erinnerung. Damals war der Weg mit größeren Steinen übersät und nur sehr schwer fahrbar. Dieses Mal ließ sich der Abschnitt etwas besser bewältigen – auch wenn man von leicht natürlich noch lange nicht sprechen kann. Nach einer engen Kehre taucht schließlich die Hütte auf. Im Hintergrund sieht man bereits die Montozzo-Scharte. Wenn man genauer hinschaut, erkennt man dort oben schon die ersten Spuren aus dem Ersten Weltkrieg. Schützengräben, alte Stellungen und die raue Landschaft machen diesen Ort besonders. Hier sollte man sich unbedingt zehn Minuten Zeit nehmen – nicht nur für das Panorama, sondern auch, um kurz innezuhalten und der Geschichte dieses Ortes zu gedenken. Doch der härteste Teil wartete noch. Die letzten rund 150 Höhenmeter hinauf zur Scharte sind praktisch nicht mehr fahrbar. Hier heißt es: Bike schieben, beißen und Schritt für Schritt nach oben arbeiten. Selbst E-Bike-Fahrer haben hier kaum eine Chance. Es ist einer dieser Abschnitte, bei denen man irgendwann nicht mehr nach oben schaut, sondern einfach nur noch den nächsten Meter nimmt.

Endlich oben angekommen, empfing mich wieder einmal ein frischer Wind. Direkt an der Scharte findet man weitere Schützengräben, und an der einen oder anderen Stelle liegt noch alter Stacheldraht herum. Gleichzeitig öffnet sich der Blick Richtung Lago di Palù – und genau in diesem Moment weiß man wieder, warum man sich das alles antut. Dieser weite Blick, diese Stille und das Gefühl, aus eigener Kraft hier oben angekommen zu sein, lassen das Herz höherschlagen. Die ersten 300 Tiefenmeter machten dann richtig Spaß. Der Trail hinunter Richtung Lago di Pian Palù fährt sich zunächst spielerisch und flowig. Doch sobald der See ins Blickfeld rückt, wird es deutlich anspruchsvoller. Der Weg wird schmaler, steiler und technischer. Immer wieder musste ich absteigen und kurze Stellen schieben. Hier ist Konzentration gefragt, denn ein Fehler wäre schnell passiert. Für die letzten rund 400 Tiefenmeter kann man sich zwischen zwei Varianten entscheiden. 2021 hatte ich den linken Trail gewählt – und der wurde damals alles andere als einfacher. Deshalb entschied ich mich dieses Mal bewusst für den rechten Weg. Nach der Hängebrücke geht es direkt in den Wald, und diese Variante ist deutlich entspannter zu fahren. Natürlich gibt es auch hier ein paar Stellen, an denen man besser kurz absteigt, aber insgesamt war das für mich die bessere Wahl.

Einen kleinen Nachteil hat diese Variante allerdings: Die Fotokulisse ist auf dem linken Trail schöner. 😊

Unten angekommen folgte eine rasante Abfahrt auf Asphalt. Genau das tat nach den ruppigen Trails richtig gut. Einfach rollen lassen, kurz erholen und die Landschaft genießen. Bleibt man auf der Hauptstraße, erreicht man relativ schnell Cogolo. Dort befindet sich der einzige Supermarkt in der Umgebung, der durchgehend geöffnet hat. Weiter unten im Tal öffnen viele Supermärkte erst wieder gegen 15 Uhr – also war Cogolo der perfekte Ort, um sich ordentlich zu versorgen. Gut gestärkt und mit ausreichend Wasser ging es weiter Richtung Daolasa. Dort entschied ich mich bereits, Richtung Madonna di Campiglio abzubiegen und mir dadurch ein paar Höhenmeter zu sparen. Die klassische Albrecht-Route führt eigentlich weiter durch Dimaro. Ich querte kurz die Hauptstraße und gelangte auf einen kleinen Weg, der wieder zur Hauptroute im Val Meledrio führt. Was dann folgte, war noch einmal ein zäher Schlussanstieg. Auf den nächsten rund 700 Höhenmetern gibt es leider keine Möglichkeit mehr, die Flaschen aufzufüllen – höchstens im Bach, den man immer wieder streift. Nach einigen steilen Serpentinen wird die Strecke zwar etwas flacher, aber nach diesem langen Tag spürt man jeden Höhenmeter. Immerhin ist der Weg landschaftlich sehr schön, und nur selten hört man die Hauptstraße. So konnte ich die letzten Höhenmeter trotz müder Beine noch einmal in vollen Zügen genießen. Als ich oben den Golfplatz erreichte, fiel die Anspannung langsam ab. Jetzt war klar: Der schwere Teil ist geschafft. Die letzten Meter auf der Hauptstraße nach Madonna di Campiglio konnte ich entspannt hinunterrollen. Nach dieser Etappe war ich einfach nur froh, angekommen zu sein.

Übernachten durfte ich im Hotel Dahu – und das war an diesem Tag genau die richtige Entscheidung. Die Zimmer sind sehr geräumig, man fühlt sich sofort wohl, und der Blick auf die umliegende Bergwelt ist einzigartig. Besonders der Outdoor-Pool mit Massagedüsen war nach dieser Etappe Gold wert. Die müden Muskeln wurden langsam wieder locker, und falls das Wetter einmal nicht mitspielt, gibt es zusätzlich noch einen Indoor-Pool und Saunen. Beim Abendessen war ich zunächst überrascht, dass wirklich jeder Tisch belegt war. Nach dem Essen war mir aber klar, warum: Die Qualität war richtig gut. Auch das Frühstück ließ am nächsten Morgen keine Wünsche offen. Mit einem frisch gepressten Saft, gutem Essen und wieder etwas mehr Energie im Körper konnte der letzte Tag der Alpenüberquerung kommen.

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Siebter Tag: Madonna di Campiglio – Torbole || 70km, 1450Hm

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Am Vorabend kam ich beim Abendessen mit einem Mitarbeiter des Hotels ins Gespräch und fragte ihn nach meiner geplanten Route für den letzten Tag. Als ich erwähnte, dass ich über das Brenta-Gebirge nach Andalo fahren wollte, unterbrach er mich sofort: „Ein sehr schwieriges Vorhaben!“

Zunächst war ich etwas überrascht, denn den oberen Teil der Strecke hatte ich mir bereits genau angesehen und als gut machbar eingeschätzt. Doch als er die Abfahrt Richtung Andalo beschrieb, wurde ich hellhörig. Laut seiner Aussage seien dort teilweise klettersteigähnliche Verhältnisse zu erwarten und viele Abschnitte praktisch unfahrbar. Zurück auf dem Zimmer studierte ich noch einmal die Karte inklusive der Höhenlinien. Schnell wurde klar: Er hatte recht. Die Abfahrt musste extrem steil sein. Nach kurzer Überlegung entschied ich mich deshalb für die sichere Variante über den bereits bekannten Passo del Gotro, den sogenannten Bärenpass.

Am Morgen war es überraschend frisch, doch die ersten Höhenmeter zum Lago di Val d’Agola sorgten schnell für die nötige Betriebstemperatur. Immer wenn ich an den Schildern mit der Aufschrift „Achtung Bären“ vorbeikomme, beschleicht mich ein etwas mulmiges Gefühl. So faszinierend diese Tiere auch sind – begegnen möchte ich ihnen ehrlich gesagt nicht.

Ab dem See beginnt zunächst eine rund halbstündige Schiebepassage. Über eine offene Lichtung geht es steil bergauf. Erst als ich wieder den Wald erreichte, wurde klar, dass der Pass nicht mehr weit entfernt sein konnte. Kurz darauf stand ich am Passo del Gotro. Die kleine Kapelle, die umliegenden Almwiesen und die schneebedeckten Gipfel im Hintergrund sorgten erneut für diesen besonderen Transalp-Moment. Gleichzeitig stieg die Vorfreude auf die bevorstehende Abfahrt. Diese ließ nicht lange auf sich warten. Zunächst rauschte ich auf einer schnellen Forststraße talwärts, die weiter unten in eine neu asphaltierte Straße übergeht und schließlich auf die Hauptstraße trifft. Wenig später erreichte ich Stenico, wo man im kleinen Supermarkt noch einmal Proviant kaufen oder am Dorfbrunnen die Trinkflaschen auffüllen kann. Mit ausreichend Verpflegung ging es weiter Richtung Ponte Arche und anschließend durch zahlreiche verschlafene Bergdörfer ins Val di Lomasone.

Bis zum Wanderparkplatz lief alles wie am Schnürchen. Doch dann wartete noch einmal eine unerwartete Herausforderung. Auf einer Lichtung verlor sich der Weg nahezu vollständig und war nur schwer zu erkennen. Wenig später führte die Route wieder in den Wald – und dort begann ein Abschnitt, den ich so nicht erwartet hatte. Der Weg war schlichtweg nicht fahrbar. Viel zu steil, voller großer Steine und technisch extrem anspruchsvoll. Auf den folgenden zwei Kilometern mussten rund 270 Höhenmeter überwunden werden – praktisch ausschließlich schiebend. Diese Passage kostete deutlich mehr Kraft als erwartet und ich würde sie in dieser Form nicht weiterempfehlen. Wer zum Rifugio San Pietro fahren möchte, sollte besser die Variante über den Lago di Tenno wählen. Doch wie so oft bei einer Alpenüberquerung waren auch diese Strapazen irgendwann überstanden. Nach etwa 45 Minuten erreichte ich endlich das Rifugio San Pietro. Dort wartet einer der wohl schönsten Ausblicke auf den Gardasee. Wieder einmal wurde mir bewusst, warum ich diese Touren so liebe: hervorragendes Wetter, keine Pannen, keine körperlichen Beschwerden und jede Menge unvergessliche Momente in den Bergen.

Mit einem kühlen Getränk auf der Hütte ließ ich den Blick noch einmal über den See schweifen. Das Ziel lag nun direkt vor mir. Die anschließende Abfahrt nach Riva del Garda beziehungsweise Torbole ist schnell geschafft. Mit jeder Kurve rückte der Gardasee näher und das Gefühl des Ankommens wurde größer. Wenig später war es dann endlich so weit: Das Bike wurde abgesperrt und das wohlverdiente Bier direkt am Ufer des Lago di Garda bestellt. Nach sieben Tagen voller Höhenmeter, Schiebepassagen, grandioser Ausblicke und unvergesslicher Erlebnisse war die Alpenüberquerung geschafft.

Als Unterkunft kann ich das Hotel La Vela absolut empfehlen. Die Lage ist hervorragend, viele Restaurants und das Seeufer sind bequem zu Fuß erreichbar und auch der Treffpunkt für die Heimreise liegt nur wenige Minuten entfernt. Damit war die Transalp 2026 nicht nur erfolgreich beendet, sondern fand auch einen perfekten Abschluss an den Ufern des Gardasees.

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