Trail Analyse bei der Alpenüberquerung: Anstiege, Trails und Fahrbarkeit richtig einschätzen

Hilfsmittel für die Analyse von schwierigen Streckenabschnitten, Trails und deren Fahrbarkeit

Nach der groben Route geht es ans Eingemachte: die Analyse der Anstiege. Ich schaue mir jeden längeren Anstieg im Detail an, wobei mein Fokus vor allem auf der Steigung liegt. Tools wie Garmin Connect nehmen dir hier viel Arbeit ab und zeigen relevante Anstiege automatisch an.

Beispiel: Von Biberwier zum Fernpass

Mit etwa 300 Höhenmetern auf 5,3 km Länge und einer durchschnittlichen Steigung von 5 % ist dieser Abschnitt absolut entspannt fahrbar. Selbst die kurzen Rampen von 12 % lassen sich gut wegstecken, da immer wieder flachere Passagen zur Erholung folgen.

Der Untergrund: Forstweg oder Sackgasse?

Ein Forstweg ist nicht gleich ein Radweg. Besonders im alpinen Gelände verwandeln sich breite Wege schnell in schmale Wanderpfade oder sogar Tragepassagen. Mein Tipp: Nutze Kompass-Karten, um die Wegbeschaffenheit vorab zu prüfen.

Für meine 6. Etappe von Ponte di Legno nach Madonna di Campiglio über die Montozzo Scharte habe ich die Strecke zur Veranschaulichung in drei Zonen unterteilt:

  • Grün 1: Aufstieg, 8km und 800Hm
  • Gelb 2: Abfahrt Trail
  • Rot 3: Trail, Schiebepassagen
  1. Grün (Aufstieg):8 km & 800 Hm. Laut Karte ein Mix aus Forststraße und Radroute. Aber Vorsicht: Auf 1.800 m bis 2.600 m Höhe wird der Boden oft rauer. Grober loser Schotter oder Felsstufen können dich hier zum Absteigen zwingen. Plane hier definitiv mehr Zeit ein als für eine klassische Passstraße!
  2. Gelb (Trail-Abfahrt):Endlich Abfahrt! Aber Achtung: Alpen-Trails sind keine Bikepark-Flowlines. Die rot-grüne Markierung in der Karte deutet auf einen ordentlichen Wanderweg hin. Stell dich auf Steine, Rinnen und – je nach Fahrkönnen – kurze Schiebepassagen ein.
  3. Rot (Technik-Finale):Kurz vor dem Lago di Plan Palú wird es ernst. Die gestrichelte Linie signalisiert einen schmalen Pfad. Die engen Höhenlinien und Serpentinen versprechen ein steiles Abenteuer, das viel Kraft kostet und eventuell nur schiebend zu bewältigen ist.

Wie ihr jetzt bereits bemerkt, kann man die Anstiege und Trails schon gut mit dem Kartenmaterial analysieren. Nachfolgend zeige ich dir, wie du dich noch besser darauf vorbereiten kannst und somit jeden Zweifel aus der Welt schaffst.

Weitere Hilfsmittel für die Analyse der Strecke: Satellitenbilder und Streetview

Um letzte Zweifel auszuräumen, nutze ich Google Maps. Im Satellitenbild lässt sich oft erkennen, wie grob der Untergrund wirklich ist. Manchmal hast du Glück und es gibt sogar StreetView-Aufnahmen von Wanderwegen – perfekt, um die Beschaffenheit der Steine zu checken!

Wie man sehen kann, besteht der Anstieg aus einen relativ guten Forstweg mit ein paar Steinen. Möchte man sicher gehen, kann man natürlich den ganzen Aufstieg mit Google StreetView sich anschauen.

Singletrail Skala:

Jeder hat schon mal Berührungspunkte mit der Singletrail Skala gehabt. Die Singletrail-Skala (STS) ist das gängige System zur Klassifizierung der fahrtechnischen Schwierigkeit von schmalen Pfaden beim Mountainbiken. Sie unterteilt sich in sechs Grade von S0 bis S5, wobei S0 die leichteste und S5 die extremste Stufe darstellt.

In Komoot sind bei sehr vielen Trails bereits die Klassifizierung hinterlegt. Auch eine Beschreibung der jeweiligen Einstufung S0 -S5 ist bei Komoot zu finden (Singletrail-Skala bei Komoot).

Für unseren Abschnitt ist in Komoot S2+ (S4) hinterlegt. Ein Trail mit der Einstufung S2+ bis S4 beschreibt eine Strecke, die im Verlauf deutlich anspruchsvoller wird und von fortgeschrittenem Fahrkönnen bis hin zu Experten-Niveau reicht. Während S2 noch als „mittelschwer“ gilt, fordern S3 und S4 höchste technische Präzision.

Internetrecherche:

Ist eine Singletrail Skala nicht vorhanden, reicht GoogleMaps nicht aus und du möchtest noch mehr Informationen zu deinem Anstieg oder Trail, dann hilft nur das klassische Recherchieren. Viele Trails wurden bereits von Mountainbiker gefahren und sie haben ihre Erfahrungen im Internet zur Verfügung gestellt. Noch häufiger findet man auf Youtube Videos von den Trails.

Zusammenfassend gilt:

 Fast jeder Meter lässt sich vorab analysieren. Du solltest dich auf Schlüsselstellen konzentrieren und die Tagesetappe als Ganzes immer im Hinterkopf haben. Sei ehrlich zu dir selbst: Reicht meine Kraft? Beherrsche ich diesen Schwierigkeitsgrad? Bin ich bereit, mein Bike auch mal zu schultern? Eine gute Planung nimmt die Ungewissheit und sorgt dafür, dass du am Berg kein unnötiges Risiko eingehst und deine nächste Unterkunft rechtzeitig erreichst.

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