Alpenüberquerung 2024: Garmisch – Torbole (434km, 12917Hm)

Sieben Etappen über Timmelsjoch und als Highlight den Tremalzo bis zum Gardasee.

Streckenübersicht:

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Wichtiger Hinweis (bitte unbedingt lesen):

Ich kann keine Garantie geben, dass die Routen heute noch 1:1 genauso fahrbar sind. In den Alpen können sich Wege jederzeit ändern – zum Beispiel durch Baustellen, Sperrungen oder Naturereignisse (z. B. Erdrutsch). Ebenso kann ich nicht garantieren, dass eine Route für jede Person machbar ist – das hängt immer von Fitness, Tagesform und fahrtechnischer Erfahrung ab. Die Verantwortung für Planung, Einschätzung und Durchführung deiner Tour liegt daher vollständig bei dir.

In der Karte erlebst du die gesamte Alpenüberquerung, ergänzt durch zahlreiche Bilder der schönsten Highlights:

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Erster Tag: Garmisch – Längenfeld || 90km, 1851Hm

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Von Garmisch ins Ötztal – Zwischen Nebelschwaden und 20-Prozent-Rampen

Der Startschuss für das große Abenteuer fiel pünktlich um 8:45 Uhr am Eisstadion in Garmisch. Hier konnte ich wieder mein Auto sicher für die nächsten Tage abstellen. Die Luft war noch klirrend frisch – das Thermometer zeigte gerade mal 13–14 Grad – und tiefe Wolken hingen in den Gipfeln. Doch die Kühle war eigentlich ein Segen: Perfekt, um den Kreislauf ohne Hitzeschlag auf Touren zu bringen.

Der erste Abschnitt bis nach Ehrwald ist das ideale Warm-up. Der Weg schlängelt sich entspannt und meist flach direkt neben der Straße dahin. Die Beine sind noch frisch, der Rucksack fühlt sich leicht an, und man rollt sich so langsam in den Rhythmus ein. In Ehrwald angekommen, hieß es erst mal: Proviant-Check. Ein kurzer Stopp im Supermarkt für frisches Wasser, Riegel und eine kleine Stärkung, denn ich wusste, was jetzt kommt.

Das Marienbergjoch

Hinter Ehrwald zeigt der Alpencross zum ersten Mal sein wahres Gesicht. Der Anstieg zum Marienbergjoch beginnt eigentlich ganz zahm. Man kurbelt über schöne Wege nach oben, doch die Idylle täuscht. Je näher man der Bergstation kommt, desto unbarmherziger wird die Steigung. Wer hier noch locker im Sattel sitzt, hat Stahlwaden!

Kurz hinter der Station war dann Schluss mit „treten“: Bei einer knackigen Rampe von stolzen 20 % Steigung kapituliert irgendwann auch der kleinste Gang. Also hieß es: Absteigen und Schieben. Aber das gehört dazu! Oben angekommen, schmeckt die Belohnung – eine klassische, einfache Wurstsemmel – besser als jedes 5-Gänge-Menü. Der Ausblick (auch wenn er wolkenverhangen war) und das Wissen, den ersten dicken Brocken bezwungen zu haben, sind einfach unbezahlbar.

Speed-Rausch und Dorf-Hopping

Die Abfahrt vom Joch hinunter nach Mötz ist purer Genuss für alle, die es auf Forstwegen gerne laufen lassen. Der Wind pfeift, der Staub wirbelt – so muss sich Freiheit anfühlen! In Mötz angekommen, gönnen die Beine sich eine kurze Pause auf den flachen 5–6 Kilometern entlang des Inn-Flusslaufs, bevor das Finale eingeläutet wird: der Weg Richtung Oetz.

Hier stehst du vor der Wahl: Straße oder Radweg? Mein Tipp: Nimm den Radweg! Er schlängelt sich zwar in Kurven von Dorf zu Dorf und schenkt dir definitiv den einen oder anderen Extra-Höhenmeter und ein paar Zusatzkilometer ein, aber er ist landschaftlich so viel reizvoller als die graue Asphaltpiste. Man sieht viel mehr von der Region und fährt fernab vom Verkehr.

Nach insgesamt 6 Stunden reiner Fahrzeit rollte ich schließlich in Längenfeld ein. Müde, aber mit diesem breiten Grinsen im Gesicht. Mein Quartier, das Hotel Stern, war ein absoluter Glücksgriff. Ein schönes Ambiente und ein Abendessen, das die leeren Speicher perfekt wieder aufgefüllt hat.

Hotel Stern in Längenfeld

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Zweiter Tag:  Längenfeld – St.Martin || 76km, 1803Hm

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Über das Dach der Tour – Windschlacht am Timmelsjoch

Nach einem ausgiebigen Frühstück, das die Energiespeicher für den heutigen Mammuttag füllte, saß ich gegen 8:30 Uhr wieder im Sattel. Der Start war fast schon meditativ: Auf dem gewohnt schönen Radweg rollte ich das Ötztal weiter taleinwärts. Nach knapp einer Stunde passierte ich Sölden, doch die Idylle war trügerisch – denn ab hier hieß es: Klettern!

Der lange Weg zum Grenzpass
Der Anstieg Richtung Hochgurgl zieht sich ordentlich. Rund zwei Stunden konstantes Treten waren nötig, um die ersten nennenswerten Höhenmeter des Tages wegzudrücken. In Hochgurgl angekommen, gab es eine kurze Stärkung, bevor ich die Mautstation passierte.

 

 

Es folgt ein kurzes Intermezzo: Eine rasant-kurze Abfahrt, die einem jedoch sofort wieder bewusst macht, dass die letzten 500 Höhenmeter bis zum Timmelsjoch noch bevorstehen. Und die hatten es in sich! Es war ein echter Kampf gegen die Elemente, denn ein extremer Gegenwind drückte mir unaufhörlich entgegen. Jeder Tritt fühlte sich doppelt so schwer an. Aber wisst ihr was? Die Kulisse entschädigt für alles. Die karge Hochgebirgslandschaft ist atemberaubend, und man teilt sich das Leid (und die Freude) mit vielen anderen Radfahrern, die sich ebenfalls den Pass hinaufquälen.

Gipfelglück und Abfahrtsrausch
Oben am Joch angekommen: Geschafft! Das verschwitzte T-Shirt wurde sofort gegen ein trockenes getauscht, die Kamera gezückt und die obligatorischen Gipfelfotos geschossen. Eigentlich hatte ich gehofft, den Wanderweg ins Tal nehmen zu können. Doch ein Blick in die Tiefe und auf die noch liegenden Schneefelder ließ mich umplanen. Der Weg sah verdammt steil aus – bei den Bedingungen war die Straße die sicherere und schnellere Wahl.

Und was soll ich sagen? Die Abfahrt auf der Passstraße ist der absolute Wahnsinn! Es macht unglaublich viel Spaß, die Serpentinen hinunterzuschießen. Weiter unten konnte ich dann von der Straße runter und wechselte auf einen wunderschönen Radweg, der sich direkt am Fluss entlang bis nach Moos in Passeier schlängelt.

Ursprünglich war geplant in Moos zu übernachten und am nächsten Tag über das Eisjöchl auf knapp 2900m in das Etschtal zu kommen. Leider war das Eisjöchl Anfang Juli noch mit Schnee bedeckt und musste leider umplanen.

Das versteckte Finale nach St. Martin
Wer dachte, das war’s für heute, täuscht sich. Von Moos aus gab es noch einen kurzen, knackigen Gegenanstieg nach Platt. Doch der hat sich gelohnt: Die kleine Teerstraße von Platt hinunter nach St. Leonhard war ein absoluter Traum – landschaftlich ein echtes Highlight! Aber Vorsicht: Die Straße ist schmal, hier sollte man jederzeit mit Gegenverkehr rechnen.

Die letzten Kilometer nach St. Martin in Passeier waren dann nur noch reines Ausrollen. Mein Ziel: Das Hotel Jager Hans. Für ein 3-Sterne-Haus ist es wirklich außergewöhnlich schön. Besonders der Wellnessbereich hat nach der Windschlacht am Pass Wunder gewirkt, und das Abendessen hat den Tag perfekt abgerundet.

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Dritter Tag: St. Martin in Passeier – Latsch || 67km, 1995hm

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Pünktlich um 8:45 Uhr saß ich wieder im Sattel. Lange zum Warmwerden blieb heute keine Zeit, denn schon nach zwei Kilometern meldeten sich die Waden: Der große Anstieg des Tages begann. Auf dem Plan standen satte 1.500 Höhenmeter auf einer Strecke von ca. 20 Kilometern bei starker Bewölkung und es hat sich auch leichter Regen angemeldet.

Rhythmisch bergauf zur Hirzer Alm
Die gute Nachricht: Die Steigung war erstaunlich angenehm zu fahren. Man findet schnell seinen Tritt und kann die alpine Umgebung genießen, während man sich Meter um Meter nach oben arbeitet. Nur an einer Stelle wurde es kurz knifflig: Der Weg verwandelte sich in einen schmalen Wanderpfad, der mich zwang, kurz aus dem Sattel zu gehen und zu schieben. Aber das gehört bei einer echten Alpenüberquerung einfach dazu.

 

 

Auf der Hirzer Alm angekommen, hielt ich mich nicht lange auf und trat direkt weiter. Erst kurz nach der Bergstation der Gondel gönnte ich mir die verdiente Pause. Das Ritual blieb gleich: Frisches, trockenes T-Shirt an, Jacke drüber, und dann gab es die obligatorische Stärkung. Mit vollen Speichern und bester Laune stürzte ich mich in die rasante Abfahrt hinunter Richtung Meran.

Mit dem „Turbo“ durch das Vinschgau
Nach dem alpinen Teil folgte das absolute Kontrastprogramm. Ich rollte und genießte das bereits mediterrane Flair von Meran, bevor es weiter Richtung Latsch ging. Immer dem Radweg entlang. Und hier passierte das, wovon jeder Radfahrer träumt: Ich hatte extremen Rückenwind!

Die 30 Kilometer durch das Vinschgau fühlten sich an, als hätte jemand einen unsichtbaren Motor zugeschaltet. Die Landschaft flog nur so an mir vorbei, und ehe ich mich versah, erreichte ich schon mein Ziel.

Luxus-Abschluss in Latsch
Der Tag endete im Hotel Matillhof in Latsch. Ein wirklich schönes Hotel, das genau den richtigen Rahmen bietet, um nach den 1.500 Höhenmetern am Vormittag und dem Highspeed-Finale am Nachmittag die Beine hochzulegen.

Gegen Abend wurde ich dann doch etwas nervös. Der Wetterbericht versprach für den nächsten Tag nichts Gutes:  Gewitter gegen Mittag und Dauerregen.

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Vierter Tag: Latsch – St. Gertraud || 33km, 1700Hm

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Wettlauf gegen das Wetter – Kurz und knackig

Heute hieß es: Keine Zeit verlieren! Bereits kurz nach acht saß ich im Sattel, das Ziel fest im Blick: das Tascher Joch. Da für den Mittag schwere Gewitter angekündigt waren und ich das Joch unbedingt vorher überqueren musste, stand die Sicherheit an erster Stelle.

Taktik vor Ehrgeiz: Der Lift-Joker
Der Tag begann mit rund 600 Höhenmetern auf der Straße bis zur Talstation des Sessellifts. Die Beine kurbelten gut, doch der Blick zum Himmel verriet: Das Zeitfenster ist klein. Ich traf die strategische Entscheidung, den Sessellift zu nutzen. Das spart satte 740 Höhenmeter und gut anderthalb Stunden wertvolle Zeit – eine Entscheidung, die sich angesichts der Wetterlage als goldrichtig herausstellen sollte.

Die harte Realität: Schieben im Hochgebirge
Ab der Tascher Hütte war Schluss mit lustig. Die Steigung zieht hier so extrem an, dass an Fahren nicht mehr zu denken ist. Die letzten 200 bis 300 Höhenmeter bis zum Joch sind eine echte Tortur: Der Weg ist steil, verblockt und verlangt einem beim Schieben alles ab. Oben am Tascher Joch angekommen, reichte es gerade für ein paar schnelle Beweisfotos, bevor der Abstieg begann.

Doch auch bergab war keine Entspannung in Sicht: Rund 400 Höhenmeter musste ich das Bike auch abwärts schieben, da das Gelände für mich einfach zu technisch und schwierig zu fahren war. Erst an der Forststraße konnte ich endlich wieder in den Sattel steigen. Ein kurzer Abstecher hinauf zum Stausee musste noch sein, bevor es in einer rasanten Abfahrt hinunterging.

Regenfinale im Ultental
Über St. Martin führte mich der Weg schnell weiter nach St. Nikolaus. Von dort aus wartete das letzte Teilstück: Über die Hauptstraße ging es noch einmal rund 300 Höhenmeter hinauf nach St. Gertraud. Mittlerweile hatte das Wetter umgeschlagen – es war kalt und regnerisch. Nass bis auf die Knochen war ich heilfroh, als ich endlich am Ziel ankam.

Mein Fazit des Tages: Den Lift zu nehmen, war die absolut richtige Entscheidung, um nicht mitten im Gewitter am Joch festzustecken. Belohnt wurde ich im Hotel Arnstein: Ein sehr schönes, herzlich geführtes Haus, in dem ich mich sofort wohlgefühlt habe.

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Fünfter Tag: St. Getraud –  Madonna da Campiglio || 52km, 2002Hm

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Vom Rabbi-Joch in den Flow – Und das steile Finale nach Madonna

Der Morgen startete wie der Abend aufgehört hatte: Das Wetter war eher mäßig, aber immerhin blieb es von oben trocken. Um 8:30 Uhr hieß es wieder: kleiner Gang und kontinuierlich treten! Das Ziel des Vormittags war das berüchtigte Rabbi-Joch.

Schuften am Joch: Zwischen 20 % Steigung und Tragepassagen
Die ersten 600 Höhenmeter ließen sich überraschend gut anfahren, auch wenn der Puls immer wieder in die Höhe schoss. Stellenweise bäumte sich der Weg mit extremen Rampen von bis zu 20 % Steigung auf – da brennen die Waden ordentlich! Doch wie so oft im Hochgebirge kommt irgendwann der Punkt, an dem auch der kräftigste Antritt nicht mehr hilft. Die letzten 300 Höhenmeter ab der Bärhappalm bis zum Scheitelpunkt wurden zur echten Kraftprobe: Schieben war angesagt.

 

Oben angekommen, gab es das obligatorische Gipfelfoto, bevor der kurze Abstieg zur Hütte folgte. Auch hier hieß es auf den ersten Metern noch: Bike schieben. Doch dann die Belohnung!

Trail-Genuss und die „Wand“ nach Madonna
Ab der Hütte änderte sich das Gelände schlagartig. Ein herrlich flowiger Trail schlängelte sich den Berg hinunter – technisch gut machbar und purer Fahrspaß bis nach Rabbi. Unten im Tal in Malè angekommen, war erst mal ein schneller Boxenstopp im Supermarkt fällig, um die Kohlenhydratspeicher für das Finale aufzufüllen.

Der Anstieg Richtung Madonna di Campiglio hatte es nämlich in sich. Was moderat begann, verwandelte sich mittendrin in eine giftige, extrem steile Rampe. Bei mittlerweile sommerlich warmen Temperaturen wurde jeder der rund 900 Höhenmeter hart erkämpft. Man starrt nur noch auf den Tacho, zählt die Meter und ist einfach nur froh, wenn die Kirchturmspitze des Nobelorts endlich in Sicht kommt. Alternativ kann man auch die Gondel in Daolasa oder Folgarida nehmen. Somit spart man sich einige Höhenmeter.

Service-Check im Ziel
In Madonna angekommen, konnte ich mein Rad am Hotel bei einem Feierabendbierchen abspritzen und wieder auf Vordermann bringen. Eine Werkstatt musste ich ebenfalls kurz besuchen– meine Bremsen brauchten nach den steilen Abfahrten dringend etwas Liebe. Die Bremsbeläge und Scheiben wurden mit Bremsenreiniger ordentlich gereinigt und schon hatte das Quietschen ein Ende. Nach einem letzten Abstecher zum Supermarkt ging es endlich ins Hotel. Ein langer, fordernder, aber landschaftlich grandioser Tag geht zu Ende!

Hotel Albergo alla Costa

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Sechster Tag: Madonna di Campiglio – Ledro || 65km, 2104Hm

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Panorama-Glück und die Schuttreiße des Grauens

Gegen 8:30 Uhr startete ich in den vorletzten Tag meiner Alpenüberquerung. Das erste Ziel: der Passo del Gotro oder auch Bärenpass genannt. Ich muss sagen, dieser Anstieg ist Genuss pur! Die Steigung bleibt moderat, der Weg schlängelt sich malerisch an einem Bach entlang und das Panorama ist einfach gewaltig. Bis zum See lässt es sich wunderbar kurbeln. Erst danach zwingt das Gelände einen für etwa 20 Minuten aus dem Sattel – aber das Schieben geht hier locker von der Hand. Oben angekommen, heißt es: Innehalten und die Aussicht genießen, bevor die lange Abfahrt ins Tal nach Tione beginnt. Achtung: Hier ist volle Konzentration gefragt, da jederzeit mit Gegenverkehr gerechnet werden muss!

Die Wand von Tione: Asphalt-Qualen bei 18 %
In Tione legte ich eine ordentliche Brotzeitpause ein und füllte meine Wasservorräte bis zum Anschlag auf – eine weise Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Die ersten 300 Höhenmeter (hoch auf ca. 1.000m) ließen sich auf Asphalt noch gut wegdrücken. Doch dann wurde es brutal. Die Straße steilte sich erbarmungslos auf: Ich schätze, es waren durchgehend 16, 17, teils 18 % Steigung. Bis auf 1.500 Meter Höhe bleibt der Untergrund zwar geteert, was das Treten technisch möglich macht, aber die Anstrengung ist enorm.

Die letzten 180 Höhenmeter bis zur finalen Hütte führen über einen schlechten, extrem steilen Forstweg. Hier darf man sich keinen Fahrfehler erlauben – wer einmal wegrutscht, kommt an dieser Steigung nicht mehr in die Pedale. An der Hütte angekommen, sammelte ich bei einer kurzen Pause nochmal alle Kräfte und anschließend ab in den Schiebemodus für die restlichen 200 Höhenmeter. Nur die letzten 30 Meter zum Kamm musste das Bike geschultert werden.

Der Abstieg des Grauens: Bocca dell Ussol
Was oben nach einem Traumblick aussah, entpuppte sich im Abstieg als absoluter Albtraum. Der Wanderweg hinunter ist extrem steil und mit losem, grobem Geröll übersät. Ich habe eineinhalb Stunden gebraucht, um überhaupt wieder einen fahrbaren Forstweg zu erreichen. Der Pfad führt durch eine Schlucht, die von der Schneeschmelze gezeichnet war: lose Steine, entwurzelte Bäume und Geröllmassen überall.

In Ledro angekommen, kaufte ich nochmal ordentlich im Supermarkt ein, bevor ich in die Pension à la Costa flüchtete. Ein Lichtblick: Die Pension ist unglaublich herzlich geführt und das Abendessen war fantastisch.

Mein ehrliches Fazit: Der Tag begann traumhaft, aber der Bocca dell Ussol ist mit dem Mountainbike absolut nicht zu empfehlen. Die Trage- und Schiebepassagen im losen Geröll stehen in keinem Verhältnis zum Fahrspaß. Das nächste mal würde ich mich für den Übergang über den Cima Palone weiter südlich entscheiden. Man sammelt zwar mehr Kilometer, dafür aber weniger Höhenmeter und laut Karte und GoogleMaps ist der Weg einfacher zu fahren.

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Siebter Tag: Ledro – Torbole || 52km, 1452Hm

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Das große Finale – Tremalzo-Liebe und Gardasee-Feeling

Der letzte Tag brach an, und pünktlich um 8:30 Uhr zeigte sich die Alpenüberquerung von ihrer besten Seite: Strahlender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen begleiteten mich aus Ledro hinaus. Das Ziel war ein echter Mythos unter Mountainbikern – der Passo Tremalzo.

Gemeinsam kurbelt es sich leichter

Der Anstieg führte über die Hauptstraße stetig nach oben. Direkt am Fuß des Passes traf ich einen anderen Biker, und wie das unter Gleichgesinnten so ist, verging die Zeit wie im Flug. Wir kurbelten gemeinsam etwa anderthalb Stunden die rund 1.000 Höhenmeter hinauf. Es war ein unglaublich angenehmes Fahren – der Rhythmus passte, das Gespräch lenkte von den brennenden

Panorama ohne Ende

Oben am Tremalzo angekommen, war die Arbeit fast getan. Es folgten noch einmal circa 100 bis 150 finale Höhenmeter, bis der höchste Punkt erreicht war. Es geht nochmal durch einen kurzen Tunnel und dann? Dann begann die Belohnung für all die Strapazen der letzten Tage. Wer den Tremalzo kennt, weiß: Das Panorama hier oben ist einfach unbeschreiblich. Der Blick schweift über die schroffen Felsformationen, während man auf der legendären alten Militärstraße Richtung Tal steuert.

Abfahrtsrausch pur

Von hier an hieß es fast nur noch: Laufen lassen! Die Abfahrt ist ein einziger Rausch aus Kurven, Schotter und grandiosen Ausblicken. Einzig am Passo Pra della Rosa gab es noch einen kurzen Gegenanstieg zu bewältigen, doch das war nach der Woche nur noch Formsache. Danach ging es in einem Rutsch bergab bis nach Torbole.

Das Gefühl, wenn man die ersten Olivenbäume passiert und schließlich das glitzernde Blau des Gardasees vor sich sieht, ist unbeschreiblich. Alle Quälereien, die steilen Schiebepassagen und der Regen der letzten Tage waren in diesem Moment vergessen.

Angekommen! Der Alpencross ist geschafft – und es gibt kaum einen besseren Ort, um das bei einem Kaltgetränk zu feiern als am Ufer in Torbole.

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