Alpenüberquerung 2021: Garmisch – Torbole (482km, 12770Hm)
Der Auftakt, mit allem, was dazugehört: Wetter, erste längere Tragepassagen und der Lerneffekt, dass Planung unterwegs Gold wert ist
Streckenübersicht:
Tag 1: Garmisch → Strengen (84 km, 1200 Hm) | Tag 1 .gpx-Datei
Regenauftakt, Sorge ums Knie nach OP, trotzdem dichte Ausrüstung und solide Fahrt über Ehrwald/Fernpass, direkte Linie via Imst–Landeck, Schlussanstieg nach Strengen. Regeneration im Posthotel (Sauna/Abendessen top).
Tag 2: Strengen → Heidelberger Hütte (71 km, 2289 Hm) | Tag 2 .gpx-Datei
Verwalltal bis Konstanzer Hütte gut fahrbar; erste längere Tragepassage, dann via Kops-Stauseen nach Galtür/Ischgl. Sehr steiler Einstieg ins Fimbatal, Murmeltierkonzert ab Bodenalpe; Übernachtung in der urigen Heidelberger Hütte (Matratzenlager, Hüttenschlafsack).
Tag 3: Heidelberger Hütte → Mals (49 km, 1650 Hm) | Tag 3 .gpx-Datei
1 h Schieben/Tragen zum Fimberpass, fordernder, großartiger Trail nach Ramosch. Ab Sur En steiler Anstieg und zu Fuß durch die spektakuläre Uina-Schlucht (Fahrverbot), dann Sesvennahütte und langer Downhill nach Mals. Werkstatt-Stop: Bremsbeläge runter, ersetzt.
Tag 4: Mals → Grosotto/Grosio (86 km, 1400 Hm) | Tag 4 .gpx-Datei
Erkältungsanzeichen, Extra-Kilometer bis Santa Maria. Genussanstieg durchs Val Vau, technisch bis Lago di Giacomo. Entscheidung für Straße nach Bormio statt Passo di Verva, dann schöner Radweg nach Grosio. Hotel Garni l’Arela: sehr freundlich, Bike-Werkstatt, starkes Essen.
Tag 5: Grosotto → Ponte di Legno (42 km, 1821 Hm) | Tag 5 .gpx-Datei
Sonnencomeback. Taktik: statt Alpe+Gavia den Mortirolo auf Teer (gleichmäßig, Giro-Flair). Oben Panorama, technisch-steinige Abfahrt Richtung Vezza d’Oglio, entspanntes Ausrollen nach Ponte di Legno. Hotel Sorriso empfehlenswert.
Tag 6: Ponte di Legno → Madonna di Campiglio (60 km, 1500 Hm) | Tag 6 .gpx-Datei
Steiler Auftakt nach Pezzo, weiter bis Case di Viso, dann 40 min Schieben/Tragen zur Montozzo-Scharte (mit historischen Schützengräben). Anspruchsvoller Trail zum Lago di Pian Palù, anschließend Talradweg. Gondel ab Daolasa spart 800 Hm nach Madonna; Hotel oberhalb in Campo Carlo Magno.
Tag 7: Madonna di Campiglio → Torbole (70 km, 1200 Hm) | Tag 7 .gpx-Datei
Finale über den „Bärenpass“: bis Lago di Val d’Agola gut fahrbar, ab dort harte Schiebepassage. Lange Abfahrt bis Stenico, dann Wellen über Ponte Arche und letzter Anstieg nach Ballino – in 33 °C und wenigen Wasserstellen zäh. Bonus-Schlenker über Campi/Bastione am Lago di Tenno, emotionaler Einrollmoment an Gardasee/Riva.
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Wichtiger Hinweis (bitte unbedingt lesen):
Ich kann keine Garantie geben, dass die Routen heute noch 1:1 genauso fahrbar sind. In den Alpen können sich Wege jederzeit ändern – zum Beispiel durch Baustellen, Sperrungen oder Naturereignisse (z. B. Erdrutsch). Ebenso kann ich nicht garantieren, dass eine Route für jede Person machbar ist – das hängt immer von Fitness, Tagesform und fahrtechnischer Erfahrung ab. Die Verantwortung für Planung, Einschätzung und Durchführung deiner Tour liegt daher vollständig bei dir.
In der Karte erlebst du die gesamte Alpenüberquerung, ergänzt durch zahlreiche Bilder der schönsten Highlights:
Einschätzung gesamthafte Transalp:
Kondition:
Fahrtechnik:
2021_Transalp_Gesamte Strecke.gpx
Erster Tag: Garmisch – Strengen || 84km, 1200HM
2021_Tag1 Garmisch – Strengen
Endlich war er da – der Moment, auf den ich so lange hingearbeitet hatte. Doch statt strahlendem Sonnenschein erwarteten mich dicke Regenwolken und eine ordentliche Portion Nervosität. In meinem Kopf ratterte es ununterbrochen: Würde mein Knie nach der schweren OP vor gerade einmal sieben Monaten halten? Reicht die Fitness für die kommenden Pässe? Habe ich wirklich alles Wichtige eingepackt?
Auf einem Parkplatz zwischen München und Garmisch hielt ich kurz inne und starrte in den grauen Himmel. Es schüttete wie aus Eimern, und die Zweifel klopften laut an. Doch dank motivierender Nachrichten von Freunden und der Wettervorhersage, die Besserung versprach, gab es für mich kein Zurück mehr: Ich ziehe das jetzt durch! In Grainau konnte ich mein Auto sicher bei Bekannten unterstellen, was mir zumindest eine Sorge abnahm. In aller Ruhe schlüpfte ich in meine Regenmontur und rollte gegen 9:00 Uhr bei Dauerregen los Richtung Fernpass.
Schon nach den ersten Kilometern spürte ich eine große Erleichterung, denn die Kleidung hielt dicht und mir war angenehm warm. Trotz des miesen Wetters überwog die Vorfreude auf all das, was in den nächsten Tagen vor mir lag – inklusive der Fehler, aus denen ich sicher lernen würde. Die Strecke über Ehrwald zum Fernpass ließ sich auf dem Radweg sehr angenehm fahren, bevor es in einer rasanten Abfahrt Richtung Imst ging. Hier entschied ich mich, die offizielle Route der Via Claudia, die oft verschlungen durch jedes kleine Dorf führt, links liegen zu lassen, um direkter voranzukommen.
Bis nach Landeck hieß es dann vor allem: Kilometer sammeln und dem Regen standhalten. Der anschließende Anstieg hinauf nach Strengen kam mir fast gelegen, um nach der nassen Fahrt wieder richtig auf Betriebstemperatur zu kommen. Auch wenn der erste Tag landschaftlich eher unspektakulär blieb, war die Ankunft im Posthotel in Strengen ein echtes Highlight. Nach diesem verregneten Auftakt waren die Sauna und das hervorragende Abendessen genau das Richtige, um die Batterien für den nächsten Tag wieder aufzuladen.
Zweiter Tag: Strengen – Heidelberger Hütte || 71km, 2289HM
2021_Tag2 Strengen – Heidelberger Hütte
Von der ersten Tragepassage bis zum Hüttenzauber
Nach der erholsamen Nacht in Strengen hieß es um 8:00 Uhr wieder: Ab in den Sattel! Die Straßen waren noch nass, aber die Sonne blinzelte immer wieder etwas aus den Wolken hervor. Der Tag begann entspannt auf der Straße und später auf einem gut ausgebauten Radweg in Richtung St. Anton. Dort nutzte ich die Gelegenheit, meine Vorräte noch einmal aufzustocken, bevor es ernst wurde. Das Verwalltal empfing mich mit einer wunderschönen Kulisse und einer angenehmen Steigung, die sich bis zur Konstanzer Hütte (nahe der Schönverwallhütte) wunderbar fahren ließ. Genau so stellte ich mir die Alpenüberquerung vor, dachte ich mir. Doch dann wartete die erste echte Herausforderung der Tour auf mich: Eine etwa 30-minütige Tragepassage forderte volle Konzentration und Kraft, bis ich den letzten Abschnitt zur Heilbronner Hütte (nahe der Scheidseen) wieder im Sattel bestreiten konnte. Das gehört eben auch dazu.
Von dort aus führte mich der teils verblockte Weg vorbei an den Kops-Stauseen und rasant weiter über traumhafte Pfade nach Galtür und Ischgl. Die Beine waren zu diesem Zeitpunkt schon gut beansprucht, doch kurz vor Ischgl wartete noch ein echtes Brett: Es ging extrem steil bergauf hinein in das Fimbatal. Hat man diese erste, giftige Steigung bis zur Mittelstation erst einmal überwunden, pendelt sich der Weg auf ein normales Maß ein und führt stetig Richtung Bodenalpe und schließlich hinauf zur Heidelberger Hütte. Ab der Bodenalpe-Hütte hört man immer wieder das Pfeifen von unzähligen Murmeltieren und je höher man kommt, desto häufiger entdeckt man auch welche.
Das Wetter zeigte sich heute versöhnlicher als gestern – zwar nieselte es zeitweise noch, aber zwischendurch blitzte immer wieder die Sonne hervor und motivierte mich für die letzten Höhenmeter. Mein Nachtlager schlug ich schließlich in der Heidelberger Hütte auf. Hier oben weht ein anderer Wind: Man schläft im Matratzenlager mit Wolldecken, benötigt einen Hüttenschlafsack (den man sich glücklicherweise ausleihen kann) und die warme Dusche gibt es gegen eine kleine Gebühr. Das Abendessen war bodenständig und richtig gut, das Frühstück absolut solide. Für eine Nacht in den Bergen war es genau die urige Erfahrung, die eine Alpenüberquerung ausmacht.
Dritter Tag: Heidelberger Hütte – Mals || 49km, 1650HM
2021_Tag3 Heidelberger Hütte – Mals
Fimberpass-Action und das Staunen in der Uina-Schlucht
Pünktlich um 8:00 Uhr hieß es Abschied nehmen von der Heidelberger Hütte. Bei kühlen 5°C und leichtem Regen startete der Tag direkt mit einer sportlichen Einheit: Rund eine Stunde schob und trug ich mein Bike hinauf zum Fimberpass. Die Passage ist zum Glück gut machbar und die Vorfreude auf das, was kommen sollte, hielt mich warm. Oben angekommen, wurde ich belohnt: Der Trail hinunter nach Ramosch war schlichtweg genial! Technisch fordernd und definitiv „nicht ohne“ – an einigen Stellen musste ich kurz absteigen, aber der Flow und das Adrenalin machten den nassen Start am Morgen sofort vergessen.
In Ramosch voll verdreckt angekommen, wartete das nächste Highlight, für das ich die originale Albrecht-Route (die eigentlich Richtung Scuol führt) bewusst verlassen habe: die legendäre Uina-Schlucht. Die Sonne hat sich nun endgültig duch die Wolken gekämpft und mit zwei vollen Flaschen ging es nun weiter. Von Sur En aus zieht der Weg anfangs extrem steil an, bevor er sich bis zur Alp Uina Dadaint etwas flacher dahinschlängelt. Eine kleine Stärkung auf der Hütte war hier goldwert, denn kurz darauf war Schluss mit Treten. Ab hier ist das Fahren nicht nur verboten, sondern schlicht unmöglich. Das Mountainbike durch die in den Fels gehauene Schlucht zu schieben, ist jedoch kein Problem und ein absolut tiefgreifendes Erlebnis. Die Zeit verging wie im Flug, weil der Anblick der steilen Felswände so beeindruckend ist, dass man das Gewicht des Rades kaum spürt. Trotz aller Staunerei gilt hier: Volle Konzentration und immer schön aufpassen! Unvorstellbar auf die Idee zu kommen, einen Wanderweg in den Felsen hineinzuschlagen.
Oben auf dem Plateau angekommen, konnte ich endlich wieder in den Sattel steigen und über die Weiten bis zur Sesvennahütte rollen. Nach einer kurzen Rast folgte eine lange, herrliche Abfahrt hinunter nach Mals im Vinschgau. Mein Quartier für die Nacht war das Bärenhaus in Mals. Vor Ort konnte ich mein Rad vom Dreck befreien und bemerkte, dass meine Bremsbeläge schon abgefahren warn. Das erklärte auch das Quietschen bei der langen Abfahrt. Leider hatte ich keine Ersatzbeläge (fahrlässig!) dabei, da das Rad erst zwei Monate alt war. So schnell können sich Beläge bei Nässe abnutzen. Zum Glück fand ich in Mals noch eine Fahrradwerkstatt, die mein Bike wieder fit für die nächsten Pässe machte inkl. Ersatzbeläge.
Das Zimmer war sauber und völlig in Ordnung, allerdings merkte ich, wie mir die Anstrengungen und das Wetter zusetzten.
Vierter Tag: Mals- Grosio || 86km, 1400 HM
2021_Tag4 Mals – Grosio
Wenn der Kopf die Beine führt – Über das Val Vau Richtung Italien
Der vierte Tag startete um 8:00 Uhr unter schwierigen Vorzeichen. Mein Körper fühlte sich angeschlagen an, der Kopf war schwer – die ersten Anzeichen einer Erkältung machten sich bemerkbar. Da ich am Vortag durch die Uina-Schlucht von der Originalroute abgewichen war, musste ich mir den Weg nach Santa Maria erst einmal hart erarbeiten. Knapp 20 Kilometer und 350 Höhenmeter zusätzlich standen auf der Uhr, bevor ich überhaupt den Anschlusspunkt der Hauptroute erreichte. Während man bei der klassischen Albrecht-Strecke oberhalb von Santa Maria einsteigt, hieß es für mich: Zähne zusammenbeißen und die Extrameilen wegstrampeln.
Von Santa Maria aus führte der Weg dann endlich hinein in das beeindruckende Val Vau. Zu meiner Erleichterung war die Steigung hier sehr angenehm zu fahren, und die Zeit verging wie im Flug. Die Fahrt durch das Hochtal war Balsam für die Seele: Zwischen weidenden Pferden, Kühen und pfeifenden Murmeltieren konnte ich die Anstrengung für einen Moment vergessen. Die anschließende Abfahrt zum Lago di Giacomo machte richtig Laune, auch wenn das Gelände technisch fordernd blieb und mich zwischendurch ein paar Mal aus dem Sattel zwang.
Am See angekommen, stand ich vor der Entscheidung: Die Höhe halten und weiter zum Passo di Verva oder die direkte Abfahrt nach Bormio wählen? Da ich die Extrameter vom Morgen deutlich in den Knochen spürte und mental einfach nur noch im Hotel ankommen wollte, entschied ich mich für den Weg hinunter nach Bormio. Die Serpentinen vom Pass sind sehr beeindruckend und auch auf den Mountainbike macht es mal Spaß auf der Hauptstraße sich nach Bormio hinunter zu stürzen. Ab Bormio biegt man auf den wunderschönen angelegten Radweg ab, der bis nach Grosio führt. Ab Bormio riss der Himmel endlich auf und die Wolken zogen hinweg. Die 30km bis nach Grosio ging es nur berg ab und man kann es perfekt rollen lassen.
Mein Tagesziel war ein wunderschönes Hotel direkt am Marktplatz in Grosotto (Hotel Garni l’Arela). Es war ein echter Glücksgriff: Die Gastgeber waren extrem freundlich, es gab eine eigene Fahrradwerkstatt für den Check-up am Abend und sowohl das Abendessen als auch das Frühstück waren einfach überragend. Genau das, was ich brauchte, um die Lebensgeister wieder zu wecken.
Fünfter Tag: Grosotto – Ponte di Legno || 42km, 1821km
2021_Tag5 Grosio – Ponte di Legno
Sonnen-Comeback und die Pässe-Wahl am Mortirolo
Nach den kränkelnden Vortagen passierte um 8:15 Uhr genau das, was ich brauchte: Das Wetter war ein absoluter Traum! Die Sonne strahlte und mit ihr kehrte auch die Motivation zurück. Da ich meine Beine nach den harten Etappen aber deutlich spürte und keine Lust hatte, die 20 Kilometer, die ich gestern nach Grosotto abgefahren war, einfach nur wieder bergauf zu strampeln, traf ich eine strategische Entscheidung. Statt der extrem fordernden Kombination aus Passo dell’Alpe und Gaviapass wählte ich den Weg über den Passo del Mortirolo, bekannt von der Giro Italia.
Das sparte mir nicht nur etwa 400 Höhenmeter, sondern bot auch ein echtes Fahrvergnügen: Der Mortirolo ließ sich auf der Teerstraße mit seiner angenehmen Steigung wunderbar gleichmäßig nach oben treten. Begleitet wird man immer wieder mit Info-Tafeln zur Giro und auf der Straße befinden sich noch zahlreiche Namen und Motivationssprüche für die Fahrer. Oben angekommen, genoss ich das Panorama am Pianaccio, bevor es in die Abfahrt Richtung Vezza d’Oglio ging. Hier wurde es technisch: Der Weg war teilweise mit viel losem Geröll übersät und forderte volle Konzentration. Einmal mehr zeigte sich, dass es sich absolut lohnt, stur auf der vorgegebenen Albrecht-Route zu bleiben – sie führt einen sicher durch das schwierige Gelände.
Schließlich erreichte ich das Tal, wo der Weg entspannt dem Flusslauf bis nach Ponte di Legno folgte. Mein Quartier, das Hotel Sorriso, war mal wieder ein Volltreffer und bot den perfekten Rahmen für diesen erfolgreichen Tag. Bei diesem traumhaften Wetter und dem guten Rollen im Tal war klar: Das Tief ist überwunden, der Fokus liegt jetzt voll auf dem Finale!
Sechster Tag: Ponte di Legno – Madonna di Campiglio || 60km, 1500 HM
2021_Tag6 Ponte di Legno – Madonna di Campiglio
Über die Montozzo-Scharte ins Herz der Brenta-Dolomiten
Um 8:15 Uhr startete ich bei erneut traumhaftem Wetter in den vorletzten Tag meiner Tour. Gleich zu Beginn wartete ein echter Wachmacher: Ein extrem steiler Anstieg führte mich hinauf in das malerische Örtchen Pezzo. Von dort aus konnte ich auf einer schönen Teerstraße bis Case di Viso etwas durchschnaufen, bevor der Weg weiter bergauf Richtung Botti al Montozzo zog. Die Strecke blieb hier gut fahrbar, sodass ich ordentlich Boden gutmachen konnte. Ab der Hütte änderte sich das Gelände jedoch schlagartig – für etwa 40 Minuten hieß es Schieben und Tragen bis zur Montozzo-Scharte. Während des Aufstiegs passierte ich alte Schützengräben, die mich kurz innehalten ließen und der Etappe eine beeindruckende, geschichtsträchtige Atmosphäre verliehen.
Oben angekommen, startete der Trail hinunter zum Lago di Pian Palù. Was am Anfang noch flüssig rollte, entwickelte sich schnell zu einer echten Herausforderung. Das Gelände wurde so anspruchsvoll, dass ich im unteren Teil ständig absteigen musste – ein technischer Kraftakt, der volle Konzentration forderte. Belohnt wurde ich danach mit einer entspannten Abfahrt auf einem perfekt ausgebauten Radweg im Tal.
In Daolasa traf ich dann eine strategische Entscheidung: Um die 800 Höhenmeter von Dimaro hinauf nach Madonna di Campiglio abzukürzen, nutzte ich die Gondel. So landete ich deutlich schneller und entspannter an meinem Tagesziel. Mein Hotel lag in Campo Carlo Magno, etwas oberhalb des Ortes. Ein praktischer Shuttle-Service brachte mich zwar direkt nach Madonna hinein, doch die Suche nach einem passenden Restaurant gestaltete sich dort schwieriger als gedacht. Trotz der kleinen kulinarischen Odyssee war die Stimmung bestens – das Wetter hielt und die Vorfreude auf den finalen Tag war riesig!
Siebter Tag: Madonna di Campiglio – Torbole || 70km, 1200 HM
2021_Tag7 Madonna di Campiglio – Torbole
Das Finale – Über den Bärenpass zum Gardasee
Der große Tag war gekommen! Um 8:15 Uhr startete ich bei strahlendem Sonnenschein in die letzte Etappe. Nachdem ich mich in Madonna di Campiglio noch einmal ordentlich mit Verpflegung eingedeckt hatte, nahm ich den Anstieg zum Bärenpass in Angriff. Bis zum malerischen Lago di Val d’Agola rollte es fantastisch und ich konnte die beeindruckende Bergkulisse in vollen Zügen genießen. Doch der Pass schenkte mir den Sieg nicht einfach so: Ab dem See wartete eine richtig anstrengende Schiebepassage, die mich noch einmal alles kostete, bis ich endlich oben am Scheitelpunkt stand.
Die Belohnung folgte auf dem Fuß: Eine gefühlt ewige Abfahrt auf Schotterwegen und Teerstraßen führte mich hinunter bis zur Hauptstraße. Ab Stenico änderte sich der Rhythmus – es ging in ständigem Auf und Ab über die Straße weiter Richtung Ponte Arche. Von dort aus stand der letzte längere Anstieg nach Ballino an. Die Strecke war zwar gut befahrbar, aber die Bedingungen waren brutal: Bei glühenden 33 Grad brannte die Sonne gnadenlos, und Wasserstellen zum Auffüllen der Flaschen waren auf diesem Abschnitt leider Mangelware.
Kurz vor dem Ziel, am Lago di Tenno, entschied ich mich für ein letztes Highlight: Statt direkt abzufahren, nahm ich den „Umweg“ über Campi Richtung Bastione. Diesen Schlenker kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen – die Aussicht ist phänomenal! Und dann, nach all den Qualen, dem Regen am Anfang und der Hitze am Ende, lag er plötzlich unter mir: der glitzernde Gardasee. Das Gefühl, nach sieben Tagen und unzähligen Höhenmetern endlich in Riva einzurollen, ist unbeschreiblich.
















































